📋 Intelligente E-Mail-Verschlüsselung: Richtlinien erstellen und konfigurieren

Dieser Artikel erklärt, wie Sie Richtlinien für die Intelligente E-Mail-Verschlüsselung anlegen, Regeln konfigurieren und nachvollziehen, wie die Auswertungsreihenfolge und Sicherheitsstufen zusammenwirken.
Übersicht der Richtlinien für die Intelligente E-Mail-Verschlüsselung in der Administration

Direkt loslegen (Kurzfassung)

Menüpfad Administration, SecuMails, Intelligente E-Mail-Verschlüsselung

Navigieren Sie zu Administration > SecuMails > Intelligente E-Mail-Verschlüsselung und klicken Sie auf Neue Richtlinie. Vergeben Sie einen Namen und wählen Sie die zugewiesenen Gruppen.

Legen Sie anschließend Regel-Blöcke an: Pro Block legen Sie eine Sicherheitsstufe fest und konfigurieren eine oder mehrere Regeln mit Bedingung / Operator / Wert. Regeln innerhalb eines Blocks werden mit UND verknüpft (Zeile hinzufügen). Weitere Blöcke fügen Sie über Regel hinzufügen hinzu. Blöcke untereinander werden mit ODER verknüpft und von oben nach unten geprüft.

Passen Sie die Reihenfolge per Drag & Drop an. Spezifischere Regeln gehören nach oben. Optional können Sie einen letzten Block mit der Bedingung Alle E-Mails als Fallback anlegen. Klicken Sie abschließend auf Speichern.

Was ist die Intelligente E-Mail-Verschlüsselung?

Die Intelligente E-Mail-Verschlüsselung (IEE) entscheidet automatisch, mit welcher Sicherheitsstufe eine SecuMails-Zustellung erstellt wird. Die Entscheidung basiert auf Eigenschaften der ausgehenden E-Mail (Empfängerdomain, Größe, Betreff, Anhänge).

Statt dass jede:r Absender:in die Sicherheitsstufe manuell wählt, definieren Admins Richtlinien, die für bestimmte Benutzergruppen gelten. Trifft eine Regel zu, wird die zugehörige Sicherheitsstufe angewendet und die Zustellung entsprechend erzeugt.

Voraussetzung: Richtlinien greifen ausschließlich bei E-Mails, die über einen Mail-Client mit konfiguriertem FTAPI Gateway versendet werden. SecuMails, die direkt über die Weboberfläche erstellt werden, sind nicht betroffen. Dort wählen Absender:innen die Sicherheitsstufe weiterhin manuell.

Grundbegriffe

BegriffBedeutung
RichtlinieEin benannter Regelsatz, der für eine oder mehrere Benutzergruppen gilt. Pro E-Mail gewinnt immer genau eine Richtlinie (die der/die Absender:in über seine/ihre Gruppe zugeordnet ist).
Regel-Block (If-Then Block)Eine Gruppe von Bedingungen, die gemeinsam erfüllt sein müssen, und einer daraus folgenden Sicherheitsstufe. In der Oberfläche als „Wenn … dann …" sichtbar.
Regel (Bedingung)Eine einzelne Prüfung innerhalb eines Blocks, z. B. „Empfänger-Domain ist gleich beispiel.de". Mehrere Regeln in einem Block werden mit UND verknüpft.
SicherheitsstufeDas Ergebnis eines Blocks. Bestimmt, wie die Zustellung erzeugt wird und wie der/die Empfänger:in sie erhält.

Auswertungsreihenfolge (wichtigstes Konzept)

Beispiel einer Richtlinie mit mehreren Regel-Blöcken, die von oben nach unten ausgewertet werden

Regel-Blöcke werden von oben nach unten ausgewertet. Der erste Block, dessen Bedingungen alle zutreffen, gewinnt. Weitere Blöcke werden nicht mehr geprüft.

Innerhalb eines Blocks gilt UND: Alle Regeln müssen zutreffen. Zwischen Blöcken gilt ODER: Der erste zutreffende Block wird angewendet.

Tipp: Die Reihenfolge ist änderbar per Drag & Drop. Spezifischere Regeln gehören nach oben, allgemeinere („Fallback") nach unten.

Fallback

Ein Fallback-Block ist optional, aber empfohlen. Er wird typischerweise als letzter Block mit der Bedingung Alle E-Mails angelegt und bestimmt, was mit E-Mails passiert, die keiner spezifischen Regel entsprechen.

Ohne Fallback-Block (oder wenn keine Regel zutrifft) wird die E-Mail nicht über SecuTransfer zugestellt. Sie verlässt das System als reguläre, unverschlüsselte E-Mail. Wer das nicht möchte, sollte immer einen Fallback-Block mit einer expliziten Sicherheitsstufe anlegen.

Sicherheitsstufen

Dropdown-Auswahl der vier Sicherheitsstufen im Regel-Block

Die gewählte Sicherheitsstufe bestimmt, wie sich der Empfang für den/die Empfänger:in gestaltet.

Stufen 3 und 4 setzen voraus, dass der/die Empfänger:in einen SecuPass eingerichtet hat. Ist das nicht der Fall, erhält er/sie eine Aufforderung zur Einrichtung. Die eigentliche Nachricht bleibt bis dahin unzugänglich.

Eine vollständige Beschreibung aller vier Stufen finden Sie im Artikel Die FTAPI Sicherheitsstufen.

Verfügbare Bedingungen

Auswahl der verfügbaren Bedingungen im Regel-Dialog

Diese Bedingungen stehen bei der Konfiguration einer Regel zur Auswahl.

BedingungOperatorWertWirkung
Alle E-Mailsimmer(kein Wert)Trifft immer zu. Für Fallback-Blöcke.
Anhangexistiert(kein Wert)Trifft zu, wenn die E-Mail mindestens einen Anhang hat.
Anhangexistiert nicht(kein Wert)Trifft zu, wenn die E-Mail keinen Anhang hat.
Anhangist größer alsZahl in MB, z. B. 10Trifft zu, wenn die Gesamtgröße der Anhänge den Wert überschreitet.
Empfänger-Domainist gleich / ist nicht gleichGenau eine Domain, z. B. beispiel.dePrüft die Domain des/der Empfänger:in. Pro Regel genau eine Domain. Für mehrere Domains je einen eigenen Block anlegen.
Absender-Domainist gleich / ist nicht gleichGenau eine Domain, z. B. meinefirma.deAnalog zur Empfänger-Domain, nur für den/die Absender:in.
Betreffbeginnt mitText, z. B. RechnungPrüft ob die Betreffzeile mit dem Text beginnt. Groß-/Kleinschreibung wird ignoriert.

Validierungsgrenzen

Der Richtlinienname darf nicht leer sein. Pro Richtlinie muss mindestens eine Benutzergruppe zugewiesen sein. Jeder Block benötigt mindestens eine Regel.

Beispiele

Beispiel 1: Kundenkommunikation stark absichern, Rest als reguläre E-Mail

ReihenfolgeWenn …dann Sicherheitsstufe
1Empfänger-Domain ist gleich kunde-a.deVollständige Verschlüsselung (4)

Wirkung: Jede E-Mail an kunde-a.de wird komplett verschlüsselt übertragen und erfordert Konto + SecuPass beim Empfänger. Alle übrigen E-Mails verlassen das System ohne FTAPI als reguläre, unverschlüsselte E-Mail (kein Fallback-Block definiert).

Beispiel 2: Große oder sensible Anhänge erzwingen Login

ReihenfolgeWenn …dann Sicherheitsstufe
1Anhang ist größer als 10Verschlüsselter Anhang (3)
2Betreff beginnt mit RechnungSicherer Login (2)
3Alle E-MailsSicherer Link (1)

Wirkung: E-Mails mit Anhang über 10 MB werden mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zugestellt. Der/die Empfänger:in braucht Konto + SecuPass. E-Mails ohne großen Anhang, aber mit Betreff-Präfix „Rechnung", erfordern einen Login (Konto reicht, kein SecuPass nötig). Alles andere wird als sicherer Link zugestellt, ohne Kontozwang.

Beispiel 3: Externe Absender-Domains stärker schützen

ReihenfolgeWenn …dann Sicherheitsstufe
1Absender-Domain ist nicht gleich meinefirma.deVollständige Verschlüsselung (4)
2Alle E-MailsSicherer Login (2)

Wirkung: E-Mails von außerhalb der eigenen Domain (z. B. über verknüpfte Drittsysteme) werden grundsätzlich voll verschlüsselt. Interne Kommunikation fällt auf Stufe 2 zurück.

Häufige Fallstricke

Fallback fehlt: Ohne einen Block mit Alle E-Mails am Ende verlässt eine E-Mail, auf die keine Regel passt, das System als reguläre, unverschlüsselte E-Mail ohne FTAPI. Wer das nicht will, sollte einen expliziten Fallback-Block mit einer Sicherheitsstufe anlegen.

Zu breite Regel zuerst: Steht ein Block mit Alle E-Mails oben, gewinnt er immer zuerst und verdeckt alle nachfolgenden Blöcke.

Widersprüchliche Regeln: Da der erste Treffer gewinnt, kann ein tieferliegender, vermeintlich strengerer Block unwirksam werden. Beim Anpassen der Reihenfolge die Absicht neu durchdenken.

Mehrere Domains: Eine Regel akzeptiert genau eine Domain. Für mehrere Domains mit derselben Sicherheitsstufe je einen eigenen Wenn-Dann-Block anlegen.

Stufe 3/4 ohne SecuPass: Empfänger:innen ohne eingerichteten SecuPass können verschlüsselte Inhalte nicht öffnen, bis sie einen einrichten.

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